KURZSCHLUSS! - Serien VIII/MMXX

Die neue digitale High-Tech-World sieht im Serien-Universum zum Fürchten schön aus. Also, überlasst die Gene der Manipulation und den Mikrochips das Denken. Die Serien im August zwischen Biohacking und Quantencomputer.

Devs (Sky/Magenta TV/FOX)

Programmierer wie Götter, ein Quantencomputer als goldener Schrein und Jesus im Hologramm: Die Serie "Devs" blickt in die nahe Zukunft unserer schönen neuen Welt, in der Technologie zum Glauben erhoben wird. Die zentrale Aussage: Wo die Heiligen den Mikrochips huldigen, ist kein Platz mehr für Moral, Schwäche, Vergebung und den freien Willen. Der Mensch selbst wird zur Maschine.

“Am Ende ist alles: Ursache und Wirkung" - Entrepreneur Forest

“Devs” ist Philosophiestunde, Wissenschaftsseminar und spannender Thriller zugleich. Die Serie handelt von den großen Themen unserer digitalen Zeit: von der unbändigen Macht der Tech-Großkonzerne (Google, Facebook, Amazon, hier heißt das fiktive Unternehmen: Amaya); von Künstlicher Intelligenz, die in unser Leben eingreift, dieses vorhersagt und verändert; von Menschen, die unter all der Informations- und Datenflut den Überblick und dazu ihre menschlichen Eigenschaften zu verlieren drohen; und von den Grenzen des Verstandes.


Darüber hinaus sieht die Serie von Alex Garland, dem schon mit Filmen wie "Ex Machina" (2014) und "Annihilation" (2018) komplexe Auseinandersetzungen mit Zukunftsthematiken gelungen sind, wie ein wunderschönes immersives Kunstwerk aus, das einen sofort in den Bann zieht. Und Assoziationen zu Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssee" sowie Dave Eggers Erfolgsroman "The Circle" weckt.


BINGE-FAKTOR: 📺 📺 📺 📺



Biohackers (Netflix)

Die deutsche Serie "Biohackers" erscheint in ihrem düsteren Zukunftsszenario wie ein Pendant zu "Devs", allerdings sind die Programmierer hier Biologen und ihr Werkzeug zur Macht ist kein Superrechner, sondern die menschliche DNA. Die eiskalte Star-Professorin Tanja Lorenz, gespielt von Jessica Schwarz, ist die Pionierin auf dem Gebiet des Biohackings und ihre Student*innen Mia und Jasper eifern ihr nach.

“Keine Angst eine Pandemie zu starten?" - Studentin Mia

Die Serie von Christian Ditter zeigt anfangs zwar skurrile Charaktere, Witz und eine studentische Atmosphäre, die Lust auf mehr macht, allerdings driftet sie dann in viel zu viele unglaubwürdige "Fast erwischt"-Sequenzen, wenig nachvollziehbare Figuren-Entscheidungen und logische

Kurzschlüsse ab. Wo der Humor stimmt, macht sich das Drama lächerlich.


BINGE-FAKTOR: 📺 📺



Lovecraft Country (Sky/HBO)

Helden, Abenteuer und Monster, das waren die Stoffe des amerikanischen Fantasy-Schriftsteller H.P. Lovecraft - gleichzeitig war er ein unverbesserlicher Rassist. Ein starker Kniff also, dass die HBO-Serie "Lovecraft Country" auf Grundlage des gleichnamigen Romans einen schwarzen Protagonisten zum Helden einer Geschichte im Stile Lovecrafts macht: Atticus Tic Freeman liebt einerseits die kultige Pulp-Literatur an der Grenze zum Trash, gleichzeitig erfährt er täglich Diskriminierung und Segregation im Amerika der 50er Jahre.


"Lovecraft Country" macht die unsägliche Historie selbst zu einem Groschenroman. Das sieht dann zum Beispiel so aus: Erst schikanieren Polizisten den afro-amerikanischen Abenteurer, dann ist der mit brutal-blutrünstigen Monstern im Wald konfrontiert. Die Metapher ist klar. Ideengeber Misha Green mischt erschreckende historische Tatsachen mit fantastisch grellen Horror-Fiktionen. Dabei fühlt man sich an die Filme "Get Out" und "Us" von Jordan Peele erinnert, der - kein Zufall! - als Produzent mitmischt. Aufgrund der außergewöhnlichen Genre-Mischung und anarchische Machart sieht man gerne über manche narrative Länge und eine etwas (zu) chaotische Storyline hinweg.


BINGE-FAKTOR: 📺 📺 📺



Ja Ja Ja Ja Ja / Ne Ne Ne Ne Ne

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